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„…man muss doch noch Pläne haben!“

Zwei Rotationista bei der Masters EM in Nottingham

Oftmals hilft ja ein Kaltgetränk, um groß zu denken. So auch in diesem Fall als wir (wir kennen uns aus unserer gemeinsamen Jugend in Bremen) nach einem Training beschlossen, dass man noch Pläne haben muss, bevor der nächste runde Geburtstag ansteht. Pläne bedeutete in diesem Fall: bei den Masters mitzuspielen.

Bis zur Umsetzung bedurfte es dann doch noch etwas Mut und Zureden der jeweiligen Mannschaften, bis wir schlussendlich sehr kurzfristig und unabhängig voneinander in Nottingham dabei waren.

Vom 30. Juni bis 9. Juli 2023 fand dort die Masters European Championship in den vier Altersklassen ü35/40/45/50 jeweils für Frauen und Männer statt, bei der wir jeweils in der Klasse ü45 mitspielten.

Die Masters starten ab dem Alter von 35 Jahren und sind eine hervorragende Möglichkeit auch nach Jugend-, Damen- oder Herren-Zeit weiterhin (oder überhaupt erstmals) sehr anspruchsvolles Hockey zu spielen. 

Da die Masters hierzulande – anders als in Großbritannien – noch nicht so bekannt sind und jede*r Spieler*in für Reise, Unterkunft sowie für alle Trikots selbst aufkommen muss, sind die Kriterien für die Aufnahme in das Team neben den sportlichen insbesondere auch der Zeitfaktor als auch die Lust, mit bis zu 17 Mitspieler*innen, Trainer, Betreuer*in und Physiotherapeut*in auf eine Art Klassenfahrt zu gehen. 

Zurück nach England: Anreise Donnerstag morgen, mittags auf die Anlage (5 Plätze ! ), die ca. 15 Minuten mit der Tram außerhalb des Stadtzentrums liegt und ein Zusammenspiel zwischen dem Beeston Hockey Club (https://www.beestonhockeyclub.com) und dem Nottingham College ist, für eine Trainingseinheit und um den offiziellen Check durch die Turnierleitung zu bestehen: Entsprechen alle Schläger, Trikots und die Torwartausrüstung den Regularien? Haben alle Spieler*innen den „code of conduct“ (faires Spiel, etc.) unterschrieben? 

Interessant ist hierbei insbesondere der Schläger-Ringtest: Schläger, die nicht durch den Ring passen und die zulässige Krümmung überschreiten, erhalten keinen Masters-Aufkleber und dürfen nicht zum Einsatz kommen.

Der Freitagmorgen begann für einige Teams gleich mit den ersten Spielen, bevor sich mittags alle 51 Teams aus 9 Nationen (Deutschland, England, Frankreich, Irland, Italien, Niederlande, Schottland, Spanien, Wales) zur „Opening Ceremony“ trafen. Alle Mannschaften waren trotz des kühlen Wetters in ihrer Teamkleidung gekommen und feierten sich und den Hockeysport zusammen auf dem Hauptplatz: ein erster kurzer Moment des Gänsehaut Kribbelns!

In den nächsten Tagen fanden dann insgesamt 157 Spiele bei zum Hockeyspielen sehr guten Bedingungen statt (sonnig, um die 20 Grad, etwas windig und nur kurz mal Regen). Da nicht in allen Altersklassen gleich viele Mannschaften gemeldet hatten, wurde in unterschiedlichen Modi gespielt. Während bei den Damen und Herren ü45 jeweils „jeder gegen jeden“ gespielt wurde, waren bei anderen Altersklassen die Mannschaften in zwei Gruppen eingeteilt. Für uns bedeutete dies insgesamt 7 Spiele an den 10 Turniertagen.

Ein Spiel ist dabei jeweils 4×17,5 Minuten lang. Eckenzeiten wurden nicht separat gestoppt, so dass man sich auf die zusätzliche Zeit geeinigt hat, was für die Schiedsrichter*innen natürlich einfacher ist. Diese fielen vor allem durch ihr cooles Outfit in Regenbogenfarben auf, aber auch für das sehr schnelle Zücken von grünen und gelben Karten.

Da alle Spiele auf der gleichen Anlage ausgetragen wurden, war es sehr gut möglich, zukünftige Gegner*innen zu inspizieren wie auch die anderen deutschen Teams anzufeuern. Über die Tage hinweg wuchsen wir so zu einer teils engeren Truppe zusammen, in der sich auch viele alte Hockeybekanntschaften wiedertrafen. 

Die Damen ü45 mussten in Ihrem Auftaktspiel gleich gegen die starken Engländerinnen ran: Nach einer lange ausgeglichenen Partie ging das Spiel doch noch mit 3:0 verloren. 

Die weiteren Spiele endeten bei den Damen mit zwei Siegen gegen Schottland und Wales, einem Unentschieden gegen Irland und einer sehr knappen Niederlage gegen Spanien. Dies bedeutete der 4. Platz und ein Wiedersehen mit den Engländerinnen im Halbfinale, die den 1. Platz nach der Gruppenphase belegten und erneut eine zu große Hürde darstellten.

Im kleinen Finale ging es dann gegen Irland, die nach dem Unentschieden zuvor nun mit 3:1 geschlagen werden konnten, so dass das Team am Sonntagnachmittag die Bronzemedaille (aus Holz ;-)) entgegennehmen konnte. 

Bei den Herren ü45 war der Einstieg ins Turnier ein klassischer Kaltstart. Das Team traf sich das erste Mal am Freitag morgen, vier Stunden später musste das 1. Spiel gespielt werden. Trotz deutlicher Überlegenheit und etwa 10 Strafecken konnte gegen Wales nur ein Unentschieden erspielt werden. Gegen Irland folgte überraschend eine Niederlage, so dass das 3. Spiel gegen Frankreich schon entscheidend dafür sein sollte, ob noch um eine Medaille gespielt werden konnte. Nach einer deutlichen Leistungssteigerung wurden die Franzosen mit 3:1 besiegt – die Stimmung war danach natürlich bestens.

Es folgte neben zwei knappen Niederlagen und spielerisch guten Leistungen gegen die beiden Favoriten Niederlande und England ein wichtiger Sieg gegen Schottland, der den 3. Platz nach der Gruppenphase und ein Wiedersehen mit Frankreich im Spiel um die Bronzemedaille bedeutete. Diesmal reichte es nach der regulären Spielzeit nur zu einem Unentschieden, so dass das Penalty Shootout die Entscheidung bringen musste – leider mit 4 : 3 zu Gunsten von Frankreich. Trotz der knappen Niederlage hat sich über die 10 Tage ein richtig guter Teamspirit entwickelt!

Insgesamt konnten wir ein sehr hohes Niveau feststellen, gerade in läuferischer Hinsicht und bei den englischen Mannschaften, die 7x im Finale standen (5x als Sieger) und 1x 3. wurden. 

Die Dominanz der englischen Mannschaften auf dem Siegertreppchen erklärt sich nicht nur mit deren Heimvorteil, sondern vor allem damit, dass diese von klein auf sowohl in der Schule als auch nachmittags im Verein Hockey spielen und somit aus einem großen Pool an sehr guten Spieler*innen schöpfen können: An den Ausscheidungen im Vorlauf der EM nehmen rund 50-60 Spieler*innen je Altersklasse teil. 

Mit neuen Eindrücken, vielen herzöffnenden Momenten und vor allem einer großen Lust, weiterhin Hockey auf einem hohen Level zu spielen, kommen wir nach Berlin zurück…Es lohnt sich also immer noch Pläne zu haben!