Rosas erstes Tor für die U16 Nationalmannschaft

Die TW-ausrüstung hat mich immer fasziniert

Jamiro Schweizer – Ich verbringe gerne Zeit mit Hockey

Hallo Jamiro,

Wenn ich gelegentlich beim Hockey vorbeischaue, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn auch du da bist. Wir kennen uns nun schon eine gefühlte Ewigkeit. Am 15.6.2006 mit gerade einmal vier Jahren begannst du mit dem Hockeyspielen bei den Superminis. Inzwischen hast du alle Altersklassen durchlaufen und stehst bei unseren Herren im Tor. Was mich immer fasziniert ist, wenn sich Spieler oder Spielerinnen, die bei uns mit dem Hockeyspielen begonnen haben, auch ehrenamtlich engagieren. Wenn ich das richtig verfolgt habe warst du schon frühzeitig Nachwuchsübungsleiter bei uns. Inzwischen hast du Anfang 2022 deine C-Trainerlizenz erworben und hast bei uns im Verein 2021/22 ein Jahr als FSJ-ler absolviert und bist jetzt Übungsleiter unserer mU10 und mU12. Ich finde das super. Nun zu meinen Fragen an dich:

Zum Hockeysport bin ich damals über einen Freund aus dem Kindergarten gekommen. Mats hat bereits Hockey bei Rotation gespielt und mich dann einfach zum Probetraining mitgenommen. Ich kann mich leider gar nicht mehr so genau an alles erinnern, ist ja schon eine Weile her, aber ich glaube mein erster Trainer, und das war er dann für mehrere Jahre, war damals Robert Kanold. Allerdings haben unsere Trainer relativ häufig gewechselt, bis uns irgendwann Hendrik übernommen hat. Wir waren früher eine ganz schöne Chaostruppe und mussten immer hoffen, irgendwie genug Jungs für einen Spieltag zusammenzubekommen. Turniere bzw. Fahrten mit der Mannschaft machen immer besonders viel Spaß, deshalb waren damals immer die Trainingslager in Brandenburg und später Jena Highlights für mich.

Die Torwartausrüstung hat mich von Anfang an sehr fasziniert. Irgendwann als D- Junge durfte ich zum ersten Mal ins Tor. Fester Torwart bin ich, glaube ich, erst geworden, als ich eine ziemlich langwierige Entzündung im linken Handgelenk bekommen habe. Durch das ganze Schlagen etc. hatte ich oft Schmerzen nach dem Training, aber im Tor war meistens alles okay. Deshalb habe ich die Rüstung dann nicht mehr wieder abgegeben. 

Eines unserer Highlights waren die ersten Endrunden (ich glaube im Pokal oder Liga) und dann der tatsächliche Gewinn der Liga mit Hendrik als Trainer. Außerdem waren wir, ich glaube als B-Jungs, auf einem Turnier in Weimar. In meiner Erinnerung haben wir da ein grandioses Turnier gespielt und im Finale die bis dahin ungeschlagenen Berliner Bären mit 3:0 nach Hause geschickt. Solche Erfahrungen waren schon immer ziemlich cool. Ansonsten, wie schon gesagt, die vielen Trainingslager in Rabenberg, Jena und davor noch bei BSRK auf deren Anlage in Brandenburg. Nicht zu vergessen unsere eigenen Turniere auf dem Feld und in der Halle (Abrafaxe und Weltenbummler). Eine meiner absoluten Lieblingsfahrten war während meines FSJ´s. Da bin ich zusammen mit der damaligen MJA nach Bad Kreuznach gefahren und habe als Torwart mitgespielt. Eigentlich war ich schon ein Jahr zu alt um MJA zu spielen, aber das war der Jahrgang, mit dem ich jedes zweite Jahr zusammen gespielt habe. Noch dazu mit Leo Kunert als Trainer hatten wir ein ziemlich cooles Wochenende. Wir waren selber als A-Jungs schon einmal da. Damals sind wir dort ganz schön untergegangen, aber dieses Mal konnten wir das Turnier im Penaltyschießen gewinnen. Als die WJA dann auch noch das Finale gewonnen hat, war das Wochenende perfekt.

Die Anfänge hat bei uns Robert Kanold gemacht, danach hatten wir Micha Wolf, Lars Schymik und anschließend Christoph Scholz, der Rotation leider irgendwann Richtung MHC verlassen hat. Als A- Jungs hat uns  Hendrik Melz übernommen, der uns dann bis zum Erwachsenenbereich trainiert hat. (Ich hoffe ich habe niemanden vergessen). Ich glaube aufgrund der Kontinuität hat Hendrik uns schon am meisten beigebracht bzw. den Spaß am Sport erhalten. Das ist, glaube ich, auch ein Grund, warum ich heute immer noch gerne bei Rotation arbeite bzw. mich sehr mit Rotation verbunden fühle.

An die Anfänge als Trainer kann ich mich gar nicht mehr genau erinnern. Ich glaube, dass mich damals Hendrik angesprochen hat, ob ich mir vorstellen könnte, beim Training zu helfen. Dann bin ich da so ein bisschen “hineingerutscht”. Zwischendurch hatte ich noch einmal eine Pause als ich nach der 10. Klasse im Ausland war und als ich das Abitur gemacht habe. Aber spätestens mit dem FSJ hatte ich wieder großen Spaß mit den Leuten, die ich schon seit vielen Jahren kenne, auch zusammenzuarbeiten. Natürlich macht es auch Spaß, die Faszination für den Sport und meine Kenntnisse an andere weiterzugeben. Mittlerweile sind viele meiner Mitspieler aus der Jugend ebenfalls Trainer und so sieht man sich fast jeden Tag auf dem Platz. Die Kombination aus einem sehr vertrauten Umfeld und die Möglichkeit, mit Kindern und Jugendlichen zusammen etwas zu entwickeln, finde ich sehr schön. Wenn man am Ende einer Saison die Fortschritte bei den Kindern sieht, motiviert das natürlich zusätzlich.

Ich habe ihn hier schon ein paar Mal erwähnt und muss es noch einmal tun. Meine prägendste Figur bei Rotation zum Thema Trainer/Jugendspieler ist auf jeden Fall Hendrik. Ich habe ihn viele Jahre begleitet und habe viel von seiner Art, Training zu gestalten, übernommen. Während meines FSJ habe ich dann mit vielen verschiedenen Trainer innerhalb des Vereins zusammen gearbeitet und dabei weitere Methoden lernen können.

Ich glaube, unsere größte Baustelle ist es nicht,  neue Nachwuchstrainer zu gewinnen, sondern diese sinnvoll einzubinden und zu entwickeln. Dafür können Partnerschaften eine gute Methode sein. Aber ich finde, unsere Haupttrainer sind da in der Verantwortung, Nachwuchstrainer “an die Hand” zu nehmen und sie anzuleiten. Genau wie man es lernen muss, ein guter Spieler zu sein, verhält es sich auch als Trainer. Deshalb ist es sehr wichtig, seine Nachwuchstrainer aktiv ins Training einzubauen, damit auch ihnen der Spaß an der Sache erhalten bleibt. Ohne Spaß an der Sache bleibt keiner lange dabei.

Meine Lizenz ist leider schon lange abgelaufen, obwohl mir das Pfeifen von Spielen grundsätzlich Spaß macht. Ich habe es auch nie weiter als die erste Basis-Lizenz geschafft. Irgendwann ist mir alles parallel zu einander ein bisschen zu viel geworden und ich wollte nicht auf meine eigenen Spiele verzichten. Ich pfeife ab und zu noch die Spiele von meinen Jungs (C und B). Ich weiß nicht genau, wie das mit den Ansetzungen etc. mittlerweile vom BHV gehandhabt wird, aber damals fand ich das System sehr unübersichtlich und echt anstrengend. Noch dazu musste man ständig für irgendwelche Lehrgänge zum Olympiastadion oder anderen sehr weit entfernten Plätzen. Ich glaube, es ist wichtig, Kindern frühzeitig die Angst vor den Pfeifen zu nehmen. Ansonsten kommen im Jugendbereich ja auch andere Interessen dazu. Für viele ist das wahrscheinlich einfach eine Frage der Zeit, ob man Schiedsrichter wird oder nicht.

Das Jahr an sich war schon ziemlich toll. Ich verbringe gerne Zeit mit Hockey, außerdem hatte ich das Glück, zwei sehr nette Kolleginnen zu haben. Ein soziales Jahr im Allgemeinen ist eine tolle Möglichkeit, nach 12 Jahren Schule mal etwas anderes zu machen, bevor es ins Studium o.ä. geht. Der LSB hat uns sehr unkompliziert betreut und am Ende des Jahres waren wir alle zusammen eine Woche in Ahlbeck auf Usedom. Mir hat das FSJ auch geholfen, mich nach der Schule ein bisschen zu orientieren und nicht gleich in die nächste sehr theorielastige (Studium) Beschäftigung zu starten.

Ich finde, dass Rotation eine sehr beeindruckende Entwicklung gerade im Kinder- und Jugendbereich genommen hat. Es wäre toll, wenn wir im Erwachsenenbereich daran schnellstmöglich anknüpfen  und von der Entwicklung unserer eigenen Spieler profitieren können. Da sehe ich gerade im Herrenbereich noch Handlungsbedarf, um gefestigte Strukturen zu schaffen, in die man sich als junger Spieler integrieren kann.

Das weiß ich selber noch nicht so genau. Aktuell bin ich im vierten Semester an der Uni, aber ich habe noch keine konkreten Vorstellungen, was ich danach machen möchte. Da habe ich aber auch noch ein bisschen Zeit, um eine Richtung zu finden (hoffe ich). Es wäre natürlich schön, wenn mir mein zukünftiger Job trotzdem noch genug Zeit lässt, um zumindest selber weiter Hockey zu spielen.

(Anmerkung von F.H.: Jamiro hat in seinem Interview mehrfach hervorgehoben, dass das Engagement von Hendrik Melz ein Grund für seine Verbundenheit mit Hockey und Rotation ist. Ich habe das im Text hervorgehoben und verbinde das mit einem Dank an Hendrik. … und danke Jamiro für dein Engagement.)