LIVESTREAM Nord-Ostdeutsche Meisterschaften mU14

Wir sind auf der Suche nach einem Vereinssongkomponisten

Charlotte Freundel – man muss noch Pläne haben

Hallo Charlotte,

Als ich 1965 als Student nach Berlin kam, trat ich unserem Hockeyverein bei. Damals waren wir ca. 150 Mitglieder und jeder kannte jeden. Heute haben wir über 800 Mitglieder und da kann nicht mehr jeder jeden kennen. Daher stelle ich unter der Rubrik „Wer ist wer“ immer mal wieder Protagonisten von „Rolle, rolle“ vor. Du bist Temabetreuerin der mU14 Pokal, Du bist in der Arbeitsgruppe „Vereinsleben gestalten“. Du spielst bei den 3. Damen und beim Elternhockey. Darf ich dich heute interviewen?

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Genau, ich bin in Bremen aufgewachsen und habe mit knapp 11 Jahren angefangen Hockey zu spielen, nachdem wir im Sportunterricht mal ein paar Schläger in die Hand gedrückt bekommen hatten. Die Tochter des Sportlehrers hatte auch damit angefangen und ich glaube er wollte es auch mal ausprobieren. Obwohl wir unweit vom Club zur Vahr wohnten, waren meine Eltern nicht so überzeugt und wollten daher nicht in den exklusivsten Verein eintreten. So habe ich im HCH (Hockey Club Horn) gespielt. In meiner Erinnerung waren wir über die Jahre eine recht stabile Mannschaft aber immer nur gerade so viel Mädels, dass wir jahrgangsübergreifend genug auf dem Platz waren. Aber ich erinnere mich, dass meine Mannschaft ganz ok gespielt hat. Obwohl wir auch zweimal pro Woche Training hatten, war es aber nie so intensiv mit Turnierfahrten und Spielfeste wie ich es heute bei meinen Kindern erlebe. Es gab ja nur die drei Bremer Vereine, einen in Delmenhorst und in Syke. Bis nach Hamburg bin ich als Hockeyspielerin zumindest nicht gekommen ;-).

Das Bild muss kurz nach meinem Eintritt in die Mannschaft aufgenommen worden sein – ich habe noch gar keinen Vereinspulli.

In der Oberstufe habe ich dann gegen meine besten Freundinnen gespielt, die beim CzV oder BHC waren. Das war immer super, die hatten schon einen Kunstrasenplatz und (auch ein Schwimmbad). Zudem haben wir alle auch Tennis gespielt und haben dann viele Nachmittage in einem der Vereine verbracht.
Rund um die Abizeit habe ich dann aufgehört, es gab einfach andere spannende Themen, ich hätte mit den älteren Damen zusammenspielen müssen und die Halle war weit weg.

Als mein ältester Sohn fünf Jahre alt wurde, hat er bei Rotation ein Schnuppertraining gemacht. Noch auf dem Rasenplatz an der Ella-Kay. Das war so ein krasses Déjà-vu (frisch gemähter Rasen, hoppelnder Ball, miefiges Clubhaus), dass ich beschlossen habe, nach 25 Jahren Pause auch selbst wieder mit dem Hockey spielen anzufangen. Es hat dann noch ein Jahr gedauert, bis Immo wirklich spielen wollte und die Schlenzelberger einen Platz in ihrer Trainingsgruppe hatten. Dort wurde ich dann sofort sehr herzlich aufgenommen und in die aktuellen Stocktechniken und Regelkunde (ich hatte ja noch mit Abseits gespielt) eingeführt. Weil ich nach ein paar Jahren gerne noch ein zweites Mal trainieren wollte, habe ich mich auch bei den 3. Damen angemeldet und bin Nathalie, Kati und Dana sehr dankbar für deren Zuspruch und Engagement für das Team.

Nachdem dann auch die zwei jüngeren Geschwister mit dem Training angefangen haben, war ich einfach viel am Platz und habe immer mal wieder eine Turnierfahrt mitorganisiert oder Spieltage begleitet. Da ich aber gerne (und mitunter auch laut) anfeuere und kommentiere, habe ich mich schnell selbst vom Spielfeldrand verbannt und aus schlechtem Gewissen den anderen Eltern das Fahren und Betreuen zu überlassen, ein paar Orgasachen vom Schreibtisch aus übernommen. Anfangs waren es Turnierfahrten. Nach der Anmeldung (was dankenswerterweise immer schon Kathrin oder Sabine W. übernommen hatten) dann eben die Buchung von Unterkunft und Zug, Gastgeschenk, Kontakt mit der Turnierleitung und die Kommunikation mit den anderen Eltern und am Ende die Abrechnung – überschaubare Aufgaben. Mit der Unterteilung der Mannschaften in verschiedene Spielstärken bin ich dann in die weitere Orga reingekommen. Das umfasst die Abstimmung mit dem Trainer, Einstellen von Terminen, Spielberichtsbogen ausfüllen, … aber umso älter (und weniger erfolgreich) die Kinder sind, umso weniger ist zu tun.

Unsere Vereinslebens-Gruppe geht aus dem Förderverein hervor und wir haben anfangs überlegt, was es braucht, um das Gemeinschaftsgefühl zu beleben. Dazu gehörten dann zum einen praktische Dinge wie Leitfäden für die Teambetreuung aber auch Events wie das Adventssingen. Nun sind wir auf der Suche nach einer Person, die einen Vereinssong komponiert.

Über die von vielen deiner vorherigen Gesprächspartner*innen genannten Punkte (Clubhaus, stabile Trainingsbedingung für alle, mehr Trainerinnen) hinaus fällt mir noch der Punkt Nachhaltigkeit ein. Es wäre doch großartig, wenn wir es als Verein schaffen, deutlich weniger Verkehr auf die Straße zu bringen und gemeinsam öffentlich Verkehrsmittel nutzen, um zu Spielen und zum Training zu kommen.

Zwei kleinere Projekte wären ein Angebot für eine Athletiktrainingsgruppe für Eltern. Und im Sommer einen regelmäßigen Freitags-Apero-ohne-Clubhaus. Bisher Ideen, mal gucken was das Jahr bringt 😉

In erster Linie bewegen wir uns alle gerne und sind mit anderen zusammen. Sicherlich ist auch ein Faktor, dass wir als Familie ein gemeinsames Gesprächsthema haben. Ein anderer Faktor ist der Ausgleich zum Segeln. Alle drei sind aktive Opti-Segler*innen. Auf den kleinen Nussschalen sind sie allein und sitzen teilweise sehr viel rum.

Ich finde es auf jeden Fall immer wieder super eine Stunde über den Platz zu fegen und zu sehen, wie unterschiedlich das Zusammenspiel ist. Wieviel dann doch von der inneren Einstellung abhängt, der unterschiedlichen Technik oder der Motivation und Ansprache durch die Trainer*innen.

Wir spielen aber ja auch alle vier auf keinem hohen Niveau – die Kinder sind alle in den Pokalmannschaften. Uns fehlen da sicherlich der Ehrgeiz und die Selbstsicherheit. Aber dennoch ist Hockey ein Sport, den man über viele Jahre und fast jedem Alter spielen kann. Und er bietet die Möglichkeit in einer neuen Stadt Anschluss zu finden und neue Menschen kennenzulernen – so wie bei uns bei den 3./4. Damen, wo immer wieder junge Mitspielerinnen dazukommen und weiterziehen, weil Job, Studium und Familie gerade etwas anderes bereithalten.

„Unter einen Hut“ bekomme ich es nicht… ich lebe nach der Maxime „Improvisation ist alles.“ J Meistens fällt vor allem das Thema Schule hinten runter. Manchmal auch eine gemeinsame Zeit zu fünft. Zum Glück habe ich einen Job, der zeitlich nicht starr ist. Ich arbeite im Büro der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und leite ein Mentoring-Programm für Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen auf dem Weg in die Professur. Ähnlich wie bei den Trainern gibt es auch an den Hochschulen immer noch keine Gleichstellung und zu wenig Frauen* in Professuren.

Die Erfolge mit den Jugendmannschaften stellen sich ja gerade schon ein. Wichtig finde ich aber auch Perspektiven im Breitensport. Natürlich sind die Kinder in den Pokalmannschaften nicht so ambitioniert und ehrgeizig oder haben eben noch andere Interessen. Aber sie zahlen den gleichen Beitrag. Ab einem gewissen Alter muss auf den ganzen Jahrgang zurückgegriffen werden. Das wird oftmals vergessen. Und vielleicht besteht ja gerade bei diesen Kindern auch ein Interesse sich als Trainer*in oder Schiri im Verein und für Rotation einzubringen.

Großartig wäre natürlich auch mal ein Austausch mit einem Verein in den Niederlanden oder England. Turnierteilnahmen im Ausland sind schon etwas ganz besonders. Ich glaube, dass fällt aber schon in Rubrik von wegen man muss noch Pläne haben.