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Meik Zülsdorf-Kersting – mit Leidenschaft für Hockey

Hallo Meik

Auf unserer Homepage und im Newsletter gibt es eine Rubrik „Frank Fragt“. Ich habe viele  „Mitmacher“ unseres Hockeyvereins auf meiner Frageliste zu stehen, die ich ob ihres Engagements für „Rolle, Rolle“ befragen möchte. Schön für mich ist es immer, wenn ich einen konkreten Anlass dafür habe. Ich glaube ihn, bei dir gefunden zu haben. Wenn ich mich nicht täusche, sind wir uns vor 10 Jahren, also 2013, erstmalig begegnet. Von damals habe ich das nachstehende Foto, auf welchem du als Co-Trainer mit deinen Jungs zu einem  Turnier (ich glaube in Bremen) unterwegs warst.   

Wie du weißt, schau ich immer mal wieder auf der Ella vorbei, um mir das Training unserer Kinder anzuschauen. Ich war von Anfang an ein großer Fan von dir. Ich war beeindruckt, mit welchem Engagement du dich in die Seele deine Jungs versetzt hast und wie du in ihnen das Feuer für Hockey entfacht hast. (@) Lieber Frank, vielen Dank für Deine wertschätzenden Worte, die mich sehr freuen. Richtig, das Foto ist in der Hockeyhalles des BHC in Bremen beim D-Day aufgenommen worden. Es müsste der Doppeljahrgang 2004/5 gewesen sein.)

Erzähle uns bitte etwas über dich?

Wir sind zu dritt im Jahr 2006 von Münster/Westf. nach Berlin gezogen. Yona (2004) war zu dem Zeitpunkt gerade zwei Jahre alt; Emile (2009) und Luke (2013) noch nicht geboren. Claire, meine Frau, trat eine Stelle als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundestag bei einer SPD-Abgeordneten an. Ich wiederum war zu dem Zeitpunkt Doktorand im Fach Geschichte an der Universität Dortmund und pendelte von 2006 an also zwischen Dortmund und Berlin. Zudem: Wir mochten Berlin. Wir wollten in Berlin leben – schon vor der beruflichen Option.

Von „Hockeykarriere“ zu sprechen, wäre wohl etwas zu viel des Guten. Angefangen habe ich mit 6 oder 7 beim Tennis- und Hockey-Club Münster (THC). Eigentlich wollte ich Eishockey spielen, weil ich mit Freunden im Winter auf den zugefrorenen Seen spielte. Der Vater eines Freundes – so meine Erinnerung – sollte eigentlich nach einem Eishockeyverein Ausschau halten. Er nahm es nicht so genau und brachte uns zu einem Probetraining beim THC. Kein Eis, keine Schlittschuhe, kein Puck, sondern ein mehr oder weniger L-förmiger Schläger und eine ziemlich harte Kugel. Hat aber gleich ziemlich viel Spaß gemacht, und so blieb ich dabei – immer beim THC. Im annus mirabilis 1985 (Boris Becker gewann als 17-Jähriger Wimbledon, und Steffi Graf stand auch schon in den Startlöchern) habe ich dann auch mit dem Tennis begonnen. Aufgehört (Tennis und Hockey) habe ich – glaube ich – im Jahr 2000. Der Blick zurück auf meine Hockeykindheit und -jugend ist stark durch die gegenwärtige Perspektive beeinflusst. Viele Jahre habe ich gesagt, dass ich leidenschaftlich Hockey gespielt habe und auch gut war. Ersteres stimmt auch. Letzteres stimmt wohl nur in den kleinen Koordinaten unseres Vereins und der Region. Wir haben gegen Mannschaften wie RHTC Rheine, TV Jahn Oelde, BTG Bielefeld, Eintracht Dortmund, HTC Hamm oder Marl Hüls gespielt – also Ostwestfalen und nördliches Ruhrgebiet. Da war ich ganz gut, bin auch mal für die Westfalen-Auswahl gesichtet worden. Ich wusste damals gar nicht so genau, dass das richtig gute Hockey im südlichen Ruhrgebiet und im Rheinland gespielt wurde (Köln, Mülheim, Raffelberg, Gladbach). Wir spielten eigentlich in einem Parallelhockeyuniversum, ohne es je richtig gemerkt zu haben. Selbstverständlich spielten wir nie so etwas wie DM Zwischenrunde (falls es die schon gab); einmal waren wir auf einer Endrunde der Westdeutschen Meisterschaft. Im Vergleich zu dem, was ich nun bei Rotation miterlebe, haben wir Hockey ohne Leistungsorientierung im engeren Sinne gespielt. Die Qualität des Trainings, die Ausstattung, die Professionalität im Umgang mit Meisterschaften und Turnieren reichten nicht im Ansatz an das heran, was ich hier und heute in Berlin sehe. Ich habe aber in jedem Fall sehr schöne und warme Erinnerungen an meine Hockeyjahre. Aus der Jugend bin ich dann in die 1. Herren beim THC gewechselt – eine Mannschaft, die sich aus vielen Studenten und einigen Spielern der eigenen Jugend zusammensetzte. Meiner Erinnerung nach haben wir Oberliga gespielt – ich im Sturm. Ich habe noch einen alten Zeitungsartikel des Lokalblatts „Westfälische Nachrichten“, der mich mit Foto zeigt und feststellt, dass ich für „Tore sorgen“ sollte. Auch bei den Herren hat es richtig viel Spaß gemacht. Aufgehört habe ich während des Referendariats, weil alles dann irgendwann zu stressig wurde. Wenn Emile oder Luke mich als Jugendlichen spielen sehen könnten, würden Sie sicher schmunzeln und mich aufbauend in den Arm nehmen. Na ja, zu ändern ist es nicht mehr – und großartig war es allemal.

Ich bzw. wir sind 2010 auf Rotation aufmerksam geworden. Yona war gerade eingeschult worden, wir suchten einen Sport(verein) für ihn und gingen dann einmal an den Aushängen der Sredzki-Halle vorbei. Ich glaube, dass wir in Yonas Grundschule auch mal Kinder mit blau-orangefarbenen Jacken und Hockeytaschen gesehen haben. Ich hatte Hockey fast vergessen, und dann poppte die Hockeyoption plötzlich wieder auf. So besuchten wir, diesmal nicht über den Umweg Eishockey, ein Training. Das muss ein Feldtraining gewesen sein – ich glaube, Ella, natürlichster Naturrasen, mittelhoch im Wuchs, Gleitzeitstart der Trainings (man kam so, wie es passte). Ich erinnere mich daran, dass ich mich – zuerst noch neben dem Platz sitzend – irgendwann daran störte, dass die Trainings kaum Zug hatten. Irgendwann sprachen ein anderer Vater und ich Robert Kanold an, der ein offenes Ohr hatte. Prompt ergab sich eine Diskussion auf dem Platz, nachdem andere Eltern dazugekommen waren, die „Drill“ und Leistungsorientierung befürchteten. Ein sympathisches Alleinstellungsmerkmal RPBs sei es doch, anders als die verbissenen Südwest-Clubs zu sein. Kann man sich gar nicht mehr vorstellen (mal abgesehen davon, dass wir immer noch sympathische Alleinstellungsmerkmale gegenüber besagten Clubs haben 😊). So in etwa fädelten wir uns bei RPB ein.  

Na ja, das kam peu à peu – und zu Beginn ohne Plan. Aus dem Neben-dem-Platz-Sitzen wurde irgendwann das Auf-dem-Platz-Stehen. Ich erinnere mich an zahlreiche Spielfeste aus Yonas frühen Jahren, bei denen man nicht genau wusste, ob ein Trainer kam. Jungs da, gegnerische Mannschaft (inkl. Trainer) da, Eltern da, aber kein Trainer; also fing ich irgendwann an, Warm up, Einspielen, Startaufstellung, erstes Spiel, mal ein ganzes Spielfest zu machen. Das war schon schön. Systematischer wurde es dann erst bei Emile.

Anlass war das stärkere Eingebundensein in das u8-Training Emiles. Hendrik hatte natürlich den Hut auf, aber es kam doch immer wieder vor, dass ich auch mal ein Training planen musste/konnte oder ein Turnier begleitete. Und da habe ich schnell gemerkt, dass Trainingsplanung und auch Coaching kunstvolle und komplexe Herausforderungen sind, denen man nicht so nebenbei gerecht wird. Irgendwie bin ich dann auf den C-Basislehrgang in Hamburg bei Klipper aufmerksam geworden, für den ich mich dann kurz entschlossen anmeldete. Alle Lehrgänge, die ich dort gemacht habe, waren super – und erstklassig besetzt (Claas Henkel, Kais al-Saadi, Marc Herbert u.a.). Beklemmend war nicht selten, dass ich eigentlich immer der mit Abstand Älteste in den Lehrgängen war; toll aber war die ganze Expertise. Ich weiß noch, wie wir im C-Basislehrgang detaillierte Bewegungsbeschreibungen einzelner Grundtechniken anfertigen mussten und uns darüber mit Claas austauschten – wunderbar! Tja, was hat mir die Ausbildung gebracht? Schwierige Frage. Vor allem habe ich so richtig verstanden, wie anspruchsvoll das Traineramt ist. Damit sich Mannschaften gut entwickeln können, muss so viel zusammenpassen. Ich verneige mich vor Trainern, die alles im Blick haben, respektvoll mit eigenen (und gegnerischen) Spielern umgehen, gute Trainings machen, akribisch im Detail sind und trotzdem immer wieder die großen Linien sehen. Während der Spiele, wenn’s stressig wird und vielleicht auch mal nicht gut läuft, die richtigen Entscheidungen zu treffen und den analytischen Blick zu bewahren – irre! Davon bin ich weit entfernt. Leider habe ich nicht so viel Zeit, noch mehr einzutauchen.

Meine Erfahrungen decken das. Fachliche und soziale Kompetenz sind wohl die wichtigsten Komponenten, aber auch Erfahrung, zugleich Selbstkritik und Demut, Liebe zum Detail. Ich hab’s oben schon abgesprochen. Als ich auf den Lehrgängen mitbekam, wie sich gestandene Trainer in Mikro-Bewegungsabläufe oder Spielformen vertieften und dabei offen für alle Varianten und Diskussionen waren, dachte ich „Ja, diese Leidenschaft für’s Detail ist vielleicht die Voraussetzung für alles Weitere.“ Meine Erfahrungen mit der u14 reichen ja bis zu den Minis zurück. Die Jungs haben einige Trainer erlebt. Wenn ich jetzt die Spiele sehe – egal ob Pokal, Liga oder Meisterschaft, wenn ich aber auch die Ambitionen der Meisterschaftsjungs sehe, dann weiß ich, dass sehr viel richtig gelaufen ist. Als Yona u12 und u14 spielte, war die Liga angesagt – an Meisterschaft oder Meisterschaftsendrunden im männlichen Bereich nicht zu denken. Jetzt haben wir in 2023 NODM gespielt und zwei bis drei Spieler in der DHB-Beobachtung. Von Nichts kommt vermutlich nichts. Die Jungs hatten immer gute Trainer und tolle Betreuer*innen!  

Es gibt viele. Ich finde z.B. sehr schön, wenn ich mit einzelnen Jungs auf Spiele vor Jahren zurückblicke und klar wird, dass wir gemeinsame Erfahrungen haben. Die Fights gegen den BSC, gegen SCC und zuletzt immer wieder gegen Blau Weiß und die Wespen haben uns verbunden. Sicher sind auch die Erfolge schöne Erlebnisse – keine Frage. Wenn einer der Jungs mit dem grau-orangefarbenen Shirt ins Training kommt (Shirt aus Anlass der gewonnenen Berliner Meisterschaft Feld 2020) oder wenn ich an die knappe Endrunde Halle 2022 denke (Musas Eckentor in der letzten Sekunde des Halbfinals und Bos gehaltene Ecke in der Schlusssekunde des Finals), dann ist das schon toll. Es gibt aber auch viele kleine Erlebnisse, die vermutlich wichtiger sind – die ganzen Fahrten, Taktikbesprechungen im Zug, Autofahrten mit der ganzen Vorfreude und Aufregung vor Spielen, das Kribbeln beim Betreten der Anlagen oder Hallen. Ich bin dankbar. Voilà.

Die Komplexität und der enorme technische Anspruch einerseits und die Zurückgenommenheit und das Unprätentiöse andererseits.

Ok, ich mache es aber kurz. Ich habe die Professur für Didaktik der Geschichte an der Leibniz Universität Hannover inne. Die Disziplin der Geschichtsdidaktik ist in den Historischen Instituten angesiedelt, ohne im engeren Sinne epochenbezogene Forschung zu betreiben. Ich bin Unterrichtsforscher und mache Forschungsprojekte zum Prozess und den Effekten des Geschichtsunterrichts. Ich habe Projekte zu den Geschichtsbildern Jugendlicher vom Holocaust gemacht oder zur Qualität der Zentralabiturprüfungen im Fach Geschichte. Neben der Forschung bilde ich als Dozent Studentinnen und Studenten im Fach Geschichte aus, halte Vorlesungen, mache Seminare, habe einen Haufen Prüfungen. Das alles in Hannover – zum Glück aber auch viel in Berlin.

… mmhh, vielleicht ein schönes Clubhaus auf der Ella.