Rotation in der aktuellen Ausgabe der Deutschen Hockey Zeitung

Rotationer Urgestein

Dr. Frank Haustein

Anlässlich unserer 60. Jahr Feier am Wochenende, hier ein Interview mit Frank Haustein. Er ist langjähriges Mitglied und engagiert sich noch heute sehr für den Verein.

  • Was sind und waren deine Aufgaben bei Rotation früher und heute?

Ich habe 1959 in Schwerin angefangen Hockey zu spielen. Als ich 1965 als Student nach Berlin kam schloss ich mich der Sektion Hockey der damaligen SG Hohenschönhausen an.

Diese -meine Sektion (heute heißt das Abteilung)- Hockey trat 1979 der BSG Rotation PB

bei. Bereits in Schwerin war es so, dass neben dem Hockeyspielen auch ehrenamtlich Aufgaben wahrgenommen wurden. So verwundert es sicher nicht, wenn ich mich bereits 1965 bei der SG Dynamo Hohenschönhausen als Übungsleiter der männlichen Jugend engagierte. Bereits 1966 erwarb ich meine erste Übungsleiterlizenz. Die Trainertätigkeit empfand ich immer als eine sportliche Herausforderung. Es ist zugleich eine mehr als dankbare Aufgabe, da durch diese Trainertätigkeit dauerhafte Freundschaften und Bindungen entstehen. Das trifft insbesondere auf die Damen-Freizeitmannschaft „Bolalas“ zu. In dieser tollen Mannschaft sind viele Spielerinnen, die ich bereits zusammen mit meiner Frau Bettina als Mädchenmannschaft seit den 1980-er Jahren trainierte. Wenn solche Hockeybindungen über 30 Jahre halten ist das alle Mühen wert. Hinter dieser engen –oft fast familiären- Bindung steht übrigens meine Philosophie, dass Sport auch immer soziale Bindungen fördern sollte. Diese soziale Ausrichtung ist übrigens wohl auch eine Komponente für den sportlichen Erfolg gewesen, denn mit dieser Mannschaft waren wir über viele Jahre sportlich sehr erfolgreich. Sie spielte über mehr als ein Jahrzehnt in der Regionalliga.

Neben der Trainer- und Betreuertätigkeit habe ich mich vielfach in meinem Verein engagiert. So bin ich seit 1972 ununterbrochen Mitglied der Sektions-/ bzw. Abteilungsleitung, darunter von 1993 bis 1997 als Abteilungsleiter. Diese Aufgaben gehören dazu sind aber lange nicht so dankbar wie die Trainer-/ Betreuertätigkeit mit Mannschaften. Das hängt mit meiner speziellen Erfahrung zusammen, dass Hockey in der DDR eine nicht geförderte Sportart war und dass ich demzufolge gegenüber „Ämtern, Hallenwarten, Platzwarten etc.“ allzu oft und auch heute noch das frustrierende Gefühl eines „Bettlers“ hatte. Davon gibt es natürlich wohltuende Ausnahmen. (Ich nenne hier nur (stellvertretend für auch andere) Kurt Lowack als Sportstättenleiter des Jahnsportparkes) Gleichwohl hält dieser bittere Beigeschmack unverändert an. Frustrierend ist insbesondere unsere Sportstättensituation.

Auch überregional habe ich viele Funktionen im Hockey gehabt. Dafür bin ich dankbar, da ich dadurch deutschlandweit zahlreiche Hockeyfreunde habe.

  • Wie war Hockey zu deiner Jugendzeit?

Hockey in meiner „Jugendzeit“ also in den 1950-er und 1960-er Jahren ist nicht mit dem modernen Hockey von heute vergleichbar. Seit den 1950-er Jahren hat es viele „revolutionäre“ Änderungen gegeben. Das betrifft Änderungen im Hockeyequipment (z.B. wurde zu meiner Jugendzeit mit Holzhockeyschlägern mit langer Kufe gespielt),   das betrifft Änderungen in der Spielfläche (wir haben bestenfalls auf oft schlechten Naturrasenplätzen, oft aber auch auf Hartplätzen gespielt) und das betrifft „revolutionäre“ Änderungen im Hockey-Regelwerk. In meiner Jugendzeit mussten z.B. bei einer Ecke alle (!) Spieler der verteidigenden Mannschaft hinter die eigene Toraußenlinie zurück laufen. Eine Vergeudung an effektiver Spielzeit. Mehr darüber habe ich übrigens in einer Kurzchronik geschrieben.

  • Was gefällt dir am Hockey besonders gut?

Hier hebe ich zwei Dinge hervor:

a)      Geblieben ist seit meiner Jugendzeit die Faszination für diese einmalige technisch anspruchsvolle und vergleichsweise „körperlos gespielte“ Mannschaftssportart Hockey. Es war und ist mein Sport.

b)      Hockey als Mannschaftssportart schafft lebenslang anhaltende Sportfreundschaften. Dafür bin besonders dankbar.

  • Was ist das Beste Erlebnis, welches du mit ROTATION bisher hattest?

Da könnte ich unzählige Beispiele aufführen. Ich komme aber immer wieder auf meine „Bolalas“ zurück. Unvergessen sind die zahlreichen tollen Erfolge, unvergessen sind die vielen Turnierfahrten (vor allen Dingen auch nach Lund in Schweden und nach Prag in Tschechien), unvergessen sind die vielen Trainingslager in Straußberg (Thüringen), Güstrow, Greifswald, Erfurt, Kiel, Lübeck, …) , unvergessen sind die vielen Feiern im Kreis dieser Mannschaft, unvergessen ist die phantastisch gute Zusammenarbeit mit meinen „Trainerkollegen“ Jan Barabas und Christian Schulze und unvergessen ist die Abschiedsparty, die die damalige Regionalligamannschaft mir, Christian Schulze und meiner Tochter Janka 2009 anlässlich der Beendigung meiner Betreuertätigkeit gegeben hat.

  • Wie beurteilst du die Entwicklung von Rotation in den letzten Jahren?

Trotz schwierigster Rahmenbedingungen (ich nenne hier nur die Sportstättensituation) haben wir eine mehr als erfolgreiche Entwicklung genommen. Das 2002 in Angriff genommene Projekt „Hockey 2016“ hat zum Ziel dass wir im Jahr 2016 in allen (!) Altersklassen und zwar sowohl im männlichen, wie auch im weiblichen Bereich mit Mannschaften spielen. Dieses Projekt haben wir gegen zahlreiche Widerstände bis jetzt erfolgreich realisiert. “Planmäßig“ spielen wir in dieser Saison von den Minis bis zur Jugend B in allen Altersklassen. Die Mädchen B wurden Ostdeutscher Vizemeister. Ein toller Erfolg. Voraussetzung dafür war eine Qualifizierung der Übungsleitertätigkeit und die Arbeit mit unserem hauptamtlichen Trainer Robert Kanold. Auf der Habenseite steht, dass wir ein großes Team engagierter Übungsleiter und Betreuer haben. Sehr viele Eltern engagieren sich ehrenamtlich. Das ist eine entscheidende Voraussetzung für unsere erfolgreiche Arbeit. Ich freue mich auch, dass wir mit Dir, Mareike, erstmalig eine FSJ-lerin für unsere Hockeyabteilung gewinnen konnten. Ich hoffe, dass es für Dich ein erlebnisreiches und prägendes Jahr war.

Der Abteilungsvorstand wurde in der letzten Wahlperiode zielstrebig verjüngt. Die „Wachablösung“ ist gelungen. Wir haben hoch qualifizierte und sehr engagierten Vorstandsmitglieder –eine Garantie für eine auch weiterhin erfolgreiche Arbeit.

P.S. BOLALAS heißt übrigens „BOgenLAmpenLAdieS“

… als Vizepräsident des DHSV der DDR mit dabei, bei den Gesprächen über die Wiedervereinigung des deutschen Hockeysports