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Hockey – eine Zeitreise Teil XXI: Hallenhockey – das Brett wird gelegt

Veröffentlicht von Frank Haustein | Abgelegt unter Hockey-Route 54 · Unsere Clubgeschichte

 

Meine heutige Zeitreise führt in die Geschichte des Brettlegens als einer speziellen Hockeytechnik, die das Hallenhockey verändert hat. Brettlegen bedeutet, der Schläger liegt mit „langer Rückhand“  oder „langer Vorhand“ flach auf dem Boden!

Zu „meiner Zeit“, also in den 1950er, 60-er und 70-er Jahren gab es das Brettlegen in der heutigen Form nicht. Das hatte mehrere Gründe. Üblicherweise galt, dass der Hockeyschläger mit beiden Händen geführt werden sollte. Ich habe heute noch die Rufe meines von mir sehr geschätzten Trainers Felix Tesch von meinem damaligen Verein Lok Schwerin im Ohr: „Beide Hände!!!“ Daraus resultierte dann das nur angedeutete Vorhand-Brettlegen im oberen Foto der Fotocollage. Das Foto mag wohl aus den End 1950-er Jahren stammen.

Das einhändige Rückhandbrettlegen war völlig unbekannt. Ein Anspiel des Gegners über die linke Bande habe ich z.B. zu „meiner Zeit“ nicht versucht mit dem RH-brett zu unterbinden sondern mit dem VH-Brett. Zur Illustration habe ich das auf dem folgenden Foto nachstellen lassen.

Dass das RH-Brettlegen unbekannt war, hatte seinen Grund sicher nicht nur in dem nicht erwünschten einhändigen Spielens, sondern auch in der damaligen langen Hockeykufe, die ein flach gelegtes Rückhandbrett nicht ermöglichte.

1956 Ligaspiel Lok Dresden – Motor Niesky

 Da ich mich nicht mehr genau erinnere, wann sich die Technik des gelegten RH-brettes etablierte, habe ich in alten DHZ (Deutsche Hockeyzeitung) geblättert und nachstehende Fotos gefunden. An diesen Fotos ist zu sehen, wie sich in der ersten Hälfte der 1980-er Jahre schrittweise aus der einhändigen  Abwehr mit der „langen Rückhand“ das „Rückhand-Brettlegen“ entwickelte.  Das obige Foto zeigt allerdings auch, dass die damalige lange Hockeykufe für ein RH-Brett nicht besonders geeignet war.

An der Technik des gelegten RH-Brettes lässt sich somit gut zeigen, welchen Einfluss die Anforderungen neuer Hockeytechniken, hier des Rückhandspiels, auf die Weiterentwicklung des Hockeyschlägers hatten. 1983 stellte der damalige Bundestrainer der Juniorennationalmannschaft, Paul Lissek,  einen neu konzipierten Hallenhockeystock vor. Die kurze „J“ Kufe ermöglichte schnelles Rückhandspiel und Rückhandstoppen und in der Folge auch das Rückhandbrettlegen.

Die Entwicklung ging dann später von der kurzen „J“-Kufe zur „U“- Kufe weiter, die die Technik „eingehängter“ Bälle ermöglichte (dazu mehr in der nächsten Folge).

Die Entwicklung der Hockeykufe, von der langen Kufe über die „J“-Kufe zur „U“-Kufe

 

1986 wird dann der Zig-Zag Schläger auf den Markt gebracht.

Die Eigenschaften dieses Zig-Zag-Schlägers werden mit Blick auf das gelegte RH-Brett wie folgt gepriesen: „Die Vorteile erscheinen logisch. Durch die erste Krümmung wird die Schlägerfläche im Ballstopp bereich („bei gelegtem Brett“ auf der Rückhandseite) näher an den Boden gebracht. Die Kugel kann bei der langen Rückhand nicht mehr unten durch. Das schräge Anstellen des Stockes fällt weg.“ Letztlich hat sich jedoch das schräge Anstellen (also das „Dachbilden“ ) behauptet und der Zig-Zag –Schläger hat sich bei Feldspielern nicht durchgesetzt.

schräg gestelltes RH-Brett

Es lässt sich somit konstatieren, dass sich über einen langen Zeitraum pö a pö eine Technik herausbildete bei der die gesamte Schlägerfläche auf den Hallenboden gelegt und zur Spielfläche gemacht wurde.  Dabei wurde durch das einhändige Brettlegen die Reichweise wesentlich vergrößert und damit die anspielbaren Räume für den Gegner eng gemacht Diese Entwicklung wurde hinsichtlich der Attraktivität des Hallenhockeyspiels immer wieder kritisch hinterfragt.  So schrieb  z.B. Alexandra Krause, Tochter des ehemaligen DHB-Präsidenten Michael Krause, in einem Artikel „Hallenhockey – Quo vadis“ anläßlich der Hallenhockey-WM 2012 in Leipzig:  „Die kleinen Nationen stellten der Großen, … ein Bein. Wie war das möglich? Der Grund ist eine entscheidende Entwicklung in spieltaktischer und technischer Hinsicht … über Jahre hat sich die Technik herausgebildet, die gesamte Schlägerlänge auf den Hallenboden zu legen und zur Spielfläche zu machen. Das Ziel: Auf diese Weise sollen Kombinationsflüsse der gegnerischen Spieler unterbrochen werden. Ergebnis: Die technisch versierten Spieler finden immer weniger Lücken durch den ,,Bretterwald” der ,,Brettleger”.

Diese Technik des Brettlegens verengt die Räume, engt das Kombinationsspiel ein und stellt Dribbelkünstler vor völlig neue Herausforderungen. So ist es nicht verwunderlich, dass immer wieder nach Möglichkeiten gesucht wurde, das Regelwerk so zu ändern, dass die Nachteile des Brettlegens für den Kombinationsfluss aufgehoben werden. Ich erinnere mich noch gut daran, dass die DHB-Trainer um den damaligen Bundestrainer Paul Lissek im Dezember 1996 folgendes vorschlugen „ … sehen die DHB-Trainer dringenden Handlungsbedarf, um das „Drücke- und Rammspiel“ zu beenden“. Wir sehen deshalb die Notwendigkeit und die Chance im Rahmen der Deutschen Hallen-Endrunde der Herren in Hamburg am 1./und 2. März 1997 ein Demonstrationsspiel  zu veranstalten, in dem wir neue Möglichkeiten durch Regelerweiterung ausprobieren wollen! … Die DHB-Trainer schlagen vor, das „Hochspielen des Balles“ für den Fall zu gestatten, wenn es sich um das „Überspielen von Rückhand- und vorhandbrettern“ handelt! … Das „Hochspielen des Balles“ über das „Brett“  ist nur in unmittelbarer Reichweite des Brettlegers erlaubt, das bedeutet nicht mehr  als ein Meter vor bzw. hinter dem Brett!. (s. DHZ vom 6.12.1996). In Auswertung dieses Demonstrationsspieles (ich sah dieses Spiel damals) musste dann allerdings ziemlich einhellig festgestellt werden: „Das bringt nichts, zu gefährlich „ (DHZ vom 6.3.1997).

Immer mal wieder wurde auch in Erwägung gezogen, die Spielfläche durch Reduzierung der Anzahl der Feldspieler von fünf auf nur noch vier Spieler zu vergrößern. Mehr unfreiwillig konnte das in der Hallensaison 2013/14 in der Bundesliga erprobt werden. Wie kam es dazu? Der Welthockeyverband FIH führte, aus hier nicht näher dargelegten Überlegungen heraus, im Juli 2013 das Kleinfeldhockey Hockey5 im Feld- und im Hallenhockey ein. Mit dieser Neuregelung wurde vorübergehend auch im internationalen Hallenhockey die Spielerzahl von sechs auf fünf reduziert. Notgedrungen wurde  in der Hallensaison 2013/14 im Bereich der Bundesliga dieses Format Hockey5 gespielt. Die von diesem oder jenem erhoffte Vergrößerung der Spielfläche wurde jedoch nicht erreicht. Warum?  Auf dieses neue  Format Hockey5 wurde sofort mit taktischen Gegenmaßnahmen reagiert. Die verteidigende Mannschaft spielte defensiv, zog sich tief an den eigenen Schusskreis zurück  und die angreifende Mannschaft wechselte bei Angriff den Torwart gegen einen fünften Feldspieler aus.  Die genutzte Spielfläche reduzierte sich dadurch auf die Hälfte, wie auf dem nachstehenden Foto (DHZ vom 13.02.14)  zu sehen ist:

Der Vollständigkeit halber hier noch eine Zusammenfassung von Trainermeinungen zu diesem gescheiterten Experiment (s. DHZ vom 20.02.2014):

„ … Bei den Schwächen wird (durch die Bundesligatrainer) u. a. moniert (alles Originalzitate): Hockey5 ähnelt Handball, zu wenig Anspielmöglichkeiten; große Hektik; weniger Tempo, verteidigende Mannschaft steht fast immer sehr tief, zu häufige Torwart-Wechsel,… zu viele Tore ins leere Tor, …“

Nach dem Scheitern dieser Experimente (a) Überlupfen des gelegten Brettes und b) Hockey5) blieb aber immer noch die Tatsache, dass das mehr als unattraktive Drücke- und Rammspiel unterbunden werden musste. Das geschah durch eine Regeländerungen zur Hallensaison 2014/15, nach der das absichtliche Einklemmen des Balles zwischen zwei Schlägern oder an der Seitenbande einen Regelverstoß darstellt. Damit war zunächst das unattraktive Drücke- und Rammspiel (s. nachstehendes Foto) unterbunden.

In der darauf folgenden Hallensaison 2015/16 wurde dann ergänzend geregelt, dass „Gegenspieler eine Lücke in angemessener Breite lassen müssen, durch die der Ball gespielt werden kann.“ Damit soll ein ewiges Standspiel verhindert werden.

Abschließend noch ein kurzer Blick auf Verletzungsgefahren durch das Spiel am Boden. Durch das Vorhand-Brettlegen hatte ich immer unangenehme Schürfwunden an den Fingern. Dagegen half des Tapen der Finger.  1990 entwickelte Thomas Kille dann den „halben Handschuh“, der nicht nur einen Schutz gegen Schürfwunden sondern auch Prellungen bot.

Dieser Schutz war allerdings gegen scharf geschossene Bällen, namentlich gegen Schleuderbälle (dazu im nächsten Beitrag mehr), nicht ausreichend, so dass weiterhin nach individuellen Lösungen gesucht wurde und gepolstert getapt wurde.

Die hier sichtbare Marktlücke wurde dann durch die Entwicklung gepolsteter Handschuhe geschlossen.

                                                                                                  Finger- und Handschutz im Wandel der Zeit

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Veröffentlicht am 9. Februar 2019 um 15:18 Uhr

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