Die internationalsten BoLaLas aller Zeiten oder Wie kommt das Känguruh in die goldene Stadt? | Rotation Prenzlauer Berg
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Die internationalsten BoLaLas aller Zeiten oder Wie kommt das Känguruh in die goldene Stadt?

Veröffentlicht von Tina Hähn | Abgelegt unter Bolalas

Die Hockeyspieler der Bohemians aus Prag hatten zum 46. Pragochema Cup geladen und nachdem es im letzten Jahr allen so gut gefallen hatte, machte sich auch dieses Jahr ein Abordnung der BoLaLas auf den Weg. Noch nie war eine Reise der Rotationer Reisedamen so gut organisiert und noch nie hatten wir ein so illustres und spannendes Team am Start.
Ich fasse mal zusammen: Mascha kam extra aus dem fernen Norwegen, Leonie aus der Schweiz, Jule praktisch fast aus Dänemark. Ina stieß aus Sachsen-Anhalt dazu, Beate aus dem schönen Brandenburger Land. Mit Beate und Claudi konnten wir zudem zwei super sympathische und spielstarke Ladies neu in unser Rudel lotsen. Familie Haustein bildete den bewährten Kern des Teams mit Dodo und Jani auf der Platte und unserem Sir Frank daneben. Dana war leider noch gesundheitlich angeschlagen, was natürlich kein Grund ist so eine Pragfahrt abzublasen. Dann saßen mit Josef und Corinna (áka „Knete“ & „Nähte“) zwei professionelle „Sanis“ auf unserer Bank. Corinnas Freundinnen Eva und Nicole stellten unsere Fankurve (mit Tschechischkenntnissen!), Stephan chauffierte uns gewohnt zuverlässig hin und zurück. Viele hatten sich noch nie oder schon Jahre lang nicht mehr gesehen. Kurz: das konnte nur ein wahnsinnig tolles Wochenende werden.

Nach einer durch und durch vergnüglichen Busreise (mehr verraten wir hier nicht) und professionellem Einlaufen (vielstimmiges Klagen, wie anstrengend das sei, dabei aber brav Runden ziehend – ihr kennt das sicher alle) stand zur Mittagszeit das erste Spiel an. Der Gegner kam aus Minsk, war sehr jung und machte einen erschreckend entschlossenen (man kann auch sagen verbissenen) Eindruck. In der ersten Halbzeit konnten wir gut mitgahlten und die Partie blieb trotz Minsker Überlegenheit (vor allem, was Torchancen und Pfostenschüsse angeht) torlos. In der zweiten Hälfte entschieden dann individuelle Stärken der Weissrussinnen das Spiel. Das 1:0 war nicht unhaltbar, das zweite Gegentor fiel nach schönem Rückhandschlenzer und das dritte nach Abwehr, Querpass und überlegtem Abschluß über Verteidiger und Goalie hinweg. Alles in allem war es jedoch ein gutes Auftaktspiel für uns und wir hatten nun Bock auf mehr. Gut vier Stunden Spielpause kann man ja leicht rumkriegen: bei den anderen hochklassigen Spielen in der Halle kibitzen, sich von Corinna die Knochen richten oder von Knete die Muskeln neu sortieren lassen, lesen, schlafen und, und, und.

Mit dem slowakischen Vertreter Raca trafen wir am Abend auf einen Bekannten aus dem Vorjahr. Es begann fantastisch, denn schon kurz nach dem Anpfiff erzielte Juuule das 1:0, kurze Zeit später hämmerte Claudi die Kugel von links zum 2:0 in die Maschen. Nach der Pause kamen die Slowakinnen über eine verwandelte Ecke wieder ins Spiel. Ich hatte sie verursacht, Jani hatte nach dem Einlochen beim Schiri die falsche Ausführung (zu dicht am Tor) moniert, die Ecke wurde wiederholt und erneut eingelocht (Maschas Vater hatte allerdings die Murmel von ausserhalb ins Tor fliegen sehen, egal). Eine Direktabnahme vor unserem Tor nach knackigem Pass – und schon stand es 2:2. Nach dem Ausgleich fuhren wir nochmal hoch, machten Druck und wurden belohnt. Claudi zog zum Kasten, fiel dort über Goalie und Verteidigerin und Lena staubte zur erneuten Führung ab. Auch am vierten Tor war Claudi beteiligt, diesmal als Vollstreckerin. Die Mädels von Raca kamen noch einmal zum Anschlustreffer, aber kurz vor Schluß erzielten wir noch Bude Nr. 5 aus dem Gewühl heraus. Es herrscht einige Unsicherheit darüber, wer da eingelocht hat, aber laut Frank war es Beate – und dann wird’s wohl auch so gewesen sein.

Also auf zum nächsten Highlight – Abendessen in der Prager Altstadt (das Prager Uhrenschauspiel am alten Markt nahmen wir bei der Gelegenheit auch noch mit). Mit einem Lokal, dass „Bier“ bereits im Namen trägt (ich übersetze „Pivnice Štupartská“ in meinem fließenden Tschechisch mal frei mit „Bierstube“) und das dazu über 140 Jahre alt ist, liegt man sicher nicht falsch. Und natürlich sind alle satt geworden.
Kleiner Appetitanreger gefällig? Gulášová polévka (Gulasch im Brotlaib), Svíckova na smetané (Schweinerahmbraten – natürlich mit Knödeln), Šopský salát und viele andere Leckereien wurden verschmatzt (und ich weiß jetzt, was “Kälberzähne sind” – nicht das, was man zunächst vermutet, Kinder!). Dazu gabs meinen absoluten Favoriten: Velkopopovický Kozel (bestes Bier in Prag, Leute!). Viertel Eins enterten wir die letzte Tram (Intuition, Frank?) und freuten uns auf langes Ausschlafen und geruhsames Frühstück, denn das nächste Spiel stand erst für 13 Uhr auf dem Plan.

Gegen die gastgebenden Bohemians wollten wir nach dem Sieg am Vortag noch was reissen und uns eventuell noch ins Halbfinale schummeln. Knete verwöhnte vorher noch meine Flügelmuskulatur, Corinna bog Jules Knie zurecht – Zimmer 203 war bestens vorbereitet. Aber irgendwie verschliefen wir alle den Spielbeginn und lagen viel schneller mit 0:2 hinten als uns lieb sein konnte. Im zweiten Spielabschnitt stellten wir auf Manndeckung um und sofort lief es besser. Nachdem die Bohemians zum vermeintlichen 0:3 einlochten (wegen hohem Pass abgepfiffen), konnten wir antworten. Lena flitzte die Hundekurve lang und Beate sagte in der Mitte Danke. Dann setzte sich Dodo in den Kopf, das spektakulärste Tor des Turnieres zu schießen, scheiterte aber mit ihrer frechen Bogenlampe (!) an der Latte (teamintern hätte so ein Tor mindestens doppelt gezählt). Den Ausgleich besorgte dann Janka mit einem saftigen Eckentreffer. Knapp vor Toresschluss hatten wir bei einer weiteren Ecke den Sieg noch auf der Kelle, aber es sollte nicht sein. Respektables Ende eines rassigen Spiels, aber eben doch kein Halbfinale (ein winziges Törchen fehlte uns). Auf der Habenseite gab uns das allerdings genug Zeit für einen weiteren Abendspaziergang in Prag (Verköstigung inklusive). Da hätte ein Halbfinalspiel nur gestört.
So konnte die reisende Meute ganz in Ruhe Hradcin, Karlsbrücke und Altstadt bewandern, Souvenirs einsacken, Trdlniki und Glühwein kombinieren und dann geschlossen ins nun schon allseits bekannte Eisenbahnlokal „Vytopná“ einfallen. Ich mach´s kurz: man muss Zeit mitbringen, aber es war lecker, lecker, lecker (und es gab Kofola – das beste nichtalkoholische Getränk Prags).

Der Sonntag hielt für uns also noch das Spiel um Platz 5 bereit, direkt nach dem Frühstück liefen wir gegen die Mädchen von Elektrostal aus der Moskauer Umgebung auf. Leonie durfte unser Tor hüten und konnte nach dem Spiel über Beschäftigung nicht klagen. Die Russinnen waren vor allem eins – superschnell. Uns gehörte die erste Chance der Partie (knapp am Kasten vorbei), aber dann kamen die Elektrostalerinnen auf Touren. Schnell fiel das 0:1, dann musste Jani zweimal auf der Linie klären, um ein zweites Tor zu verhindern. Ein 7er durch Juuule brachte den Ausgleich, eine scharfe Ecke die erneute russische Führung (obwohl Leo da noch dran war). Da waren gerade mal 8 Minuten gespielt.
Die rote Lawine rollte weiter und ein überfallartiger Konter bescherte uns das 1:3. Claudi konnte im Alleingang den Anschlusstreffer erzielen, aber noch vor der Pause schlenzte eine Moskowiterin per Rückhand zum 2:4 ein. Durchschnaufen (aber eben nur sehr kurz). Das Ende vom Lied: sie waren einfach schneller und zwei – drei nicht genutzten Chancen unsererseits standen am Ende 7 russische Treffer entgegen. Wir waren dennoch nicht allzu betrübt, es hat saumäßig Spass gemacht. Große Begeisterung fand die Idee, nach dem Spiel der russischen Trainerin zu erzählen, dass unser Altersdurchschnitt bei 37+ liegt, wir insgesamt 13 Kinder haben und teilweise seit 10 Jahren nicht mehr regelmässig Hockey spielen. Leider waren die Elektrostaler verschwunden. In den Weiten des Netzes hab ich allerdings herausgefunden, dass wir gegen den Zweitplazierten der russischen Meisterschaft verloren haben und die erste Mannschaft im Schnitt (jetzt haltet euch fest!) stolze 16,7 Jahre auf dem Buckel hat. Ihre älteste Spielerin ist mit 23 Lenzen immer noch jünger als unser „Küken“ Leonie. Klopft euch auf die Schultern, Mädels – wir waren gar nicht mal schlecht und technisch haben wir einiges drauf!

Was folgte, waren herzliche Abschiedsworte an die „Externen“, eine Heimfahrt mit Franks bestem Pfirsichlikör nebst unterhaltsamstem Schnack und schon war ein schönes Wochenende passé.
Was soll ich noch sagen: es war mir ein Fest mit euch und ja, auch eine Ehre. Ich bin gespannt, welche unserer hochfliegenden (noch geheimen) Pläne für nächstes Jahr wir in die Tat umsetzen. Egal wie, ick bin dabei, Ladies – komme, was da wolle!

Und zum Schluß noch ein wenig Prager Kulturgeschichte in zoologischer und sportlicher Sache. Ich hab mich natürlich gefragt, wie das Känguruh im Logo der Bohemians den weiten Weg bis nach Prag gefunden hat.
Das war so: ein Prager Fußballverein flog 1927 auf den siebten Kontinent zu Freundschaftsspielen und wollte den Australiern den zungenbrechenden Namen AFK Vršovice ersparen. So gab man sich kurzerhand den Namen Bohemians. Zum Abschied erhielt man als Gastgeschenk von der Queensländer an die tschechische Regierung zwei Känguruhs (solche Gesten sind inzwischen irgendwie aus der Mode gekommen), die erst in den Prager Zoo und dann ins Vereinswappen hüpften. Als Sparte des Hauptvereines kamen so die Hockeyspieler, die es nun auch schon seit 60 Jahren gibt ebenfalls zu einem grünen Beutler (die Eishockeyspieler haben ihren sogar mit Schläger bewaffnet). Nun wisst ihr also auch darüber Bescheid.

Auf dem Parkett.. : Anni, Beata, Claudi, Dodo, Ina, Jani, Juuule, Lena, Leo, Mascha, Tina
.. und daneben: Dana, Corinna, Eva, Nicole, Sir Frank, Knete, Stephan

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Veröffentlicht am 24. November 2012 um 23:28 Uhr

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