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Rotation Prenzlauer Berg

Der Hockeyclub im Herzen Berlins

Rotation on Tour. Fünf Kinderteams waren am Samstagmorgen im Einsatz

Veröffentlicht von Christian Eckl | Abgelegt unter Jugend, Knaben D, News

Von Robert Kanold – Soviel vorweg: ein Großteil unserer Hockeykinder war am Samstag wieder mit großem Elan und viel Freude beim Hockey dabei und viele präsentierten erneut erstaunliche technische Kabinettsstückchen.
Doch, und dies ist aufgrund der Parallelen zum letzten Jahr bei allen Unterschieden zwischen den einzelnen Mannschaften bedenkenswert, die Spielergebnisse waren im Vergleich zu den weitgehend erfolgreichen Spielen in der Halle durchweg „schlecht“. Schlecht ist unbedingt in Anführungszeichen zu setzen, denn viel mehr als an den Resultaten sind zumindest Trainer und Eltern daran intersessiert, dass die Kinder mit Feuereifer dabei sind, Spaß haben und sich weiter entwickeln – und all dies, war mit kleinen Abstrichen, auch bei den aktuellen Spieltagen der Fall. Allerdings wurde, wie eben schon im Frühjahr 2008 ein Großteil der Spiel verloren.

Doch bevor es auf die Suche nach Erklärungen und möglichen Schlußfolgerungen geht, zunächst kurz zu den Spieltagen:
Zum Auftakt spielten morgens unsere Knaben C Anfänger bei TuS Lichterfelde. Nach einer 0:2 Auftaktniederlage gegen die sehr dynamische erste Mannschaft von TiB Kreuzberg gab es zwei Remis gegen die Vertretungen von TuSLi und Blau Weiss. Der Trainer Ilja konstatierte seinen Jungs dabei schon ganz wesentliche Fortschritte in puncto Einsatzfreude und Ballsicherheit gegenüber dem ersten Auftritt vor vierzehn Tagen.
Im direkten Anschluß spielten die etwas weiter fortgeschrittenen Knaben C. Den Jungs war auch noch sehr deutlich anzumerken, dass sie so noch nie zusammen gespielt hatten und dass die technischen Niveaus und Spielauffassungen doch gewaltig auseinanderklafften. Doch auch wenn die Jungs auf dem Platz tollen Einsatz zeigten, als Mannschaft präsentierten sie sich noch lange nicht! Die Ansätze waren aber da: Ruben und Paul parierten jeweils toll im Tor, Max steigerte sich im Laufe der Spiele zum „Abwehrchef“ mit Offensivdrang, der sich auch zunehmend traute, technisch etwas zu riskieren und das Spiel in die Breite zu entwickeln. Gabriel erwies sich hinten wie gewohnt als zuverlässiger Abräumer und zeigte darüber hinaus, auf dem Feld sehr konzentriert, auch tolle Offensivaktionen und er entdeckte bislang unbekannte Goalgetterqualitäten, in dieser Hinsicht ein toller Schritt voran. Rouven bestach, wenn er spielte, mit beeindruckenden Antizipationen des gegnersichen Spiel und starkem Passspiel nach vorne. Paul zeigte starke Ansätze im Dribbling, ebenso wie der sich intelligent auf dem Feld bewegende und den Ball geschickt abschirmende Jan. Dass er alle Anlagen zu einem guten Hockeyspieler mitbringt, demonstrierte nicht zuletzt Benjamin, der, obwohl noch gar nicht so lange dabei, permanent Unruhe stiftete. Ihm fehlt nur noch ein wenig die Technik, seine Ideen umzusetzen und in Verbindung damit auch ab und an ein wenig mehr Mut. Letzterer würde zweifelsohne auch Lucca noch sehr gut zu Gesicht stehen, dessen Auftritt auf dem Platz man sicherlich mit der Vokabel „grundsolide“ am besten umschreibt. Beachtliches Stellungsspiel, gutes Auge, solide Technik, wenn da noch der Mut dazu kommt, sich mehr nach vorne einzuschalten, dann wird die Mannschaft sicher noch stärker. Diesen hat auf jeden Fall Casper, der seine Dribblings nun auch oftmals mit cleveren Abspielen krönte. Jetzt fehlt „nur noch“, dass er die Bälle auch aufs Tor bringt. Doch mit seinem schlicht nicht vorhanden Torschussverhalten stand Casper nur sinnbildlich für sein ganzes Team, das, wenn es mal traf, den Ball fast ins Tor trug. Oft genug scheiterte es aber auch bei diesem Bemühen. In einem ausgeglichen Match gegen TuS Lichterfelde gelang das wenigstens einmal, 1:1. Gegen Blau Weiss waren nach scheinbar aussichtlosem Rückstand dann auch noch zwei Treffer zu bejubeln, ein toll erkämpftes 2:2 Remis. Abschließend deutete im Spiel gegen die erste Mannschaft des Steglitzer TK wieder alles auf ein leistungsgerechtes Remis hin. Doch zwei Minuten vor Schluß erzielten die Steglitzer das 2:1. Es folgten noch wütende Angriffe der blau-orangenen und Max hätte auch beinahe noch den Ausgleich erzielt, doch der Steglitzer Keeper wußte diesen mit halsbrecherischem Einsatz, bei dem er erst die Kugel aus dem Kreis und dann Max aus dem Feld „spielte“ gerade noch zu verhindern. Da waren die Jungs natürlich erstmal frustriert, hatten sie doch toll gekämpft und ordentlich gespielt. Dass sie „ihrem Affen“ dann aber noch länger „Zucker gaben“ passte wiederum zum Auftritt der Jungs nicht nur an diesem Tag. Sie müssen jetzt vor allem erst einmal lernen, dass man sich als Einzelner auch disziplinieren und der eigenen Mannschaft, Trainern, Schiedsrichtern und Regeln Respekt erweisen muss.
Der positivste Auftritt des Wochenendes gelang den Knaben D Fortgeschrittenen. Die Jungs hatten allerdings auch den Vorteil, dass sie sich alle schon eine ganze Zeit kennen und auch bereits das ein oder andere Mal zusammengespielt haben, waren doch dieses Mal, mit Ausnahme von Luca, nur „2001er“ dabei, die bereits in der Halle alle zumindest schon mal bei den „Großen“ mitgespielt hatten und dort zum Teil auch zu Leistungsträgern avanciert waren. Doch auch die Jungs hatten am Anfang so ihre Problemchen. Im ersten Spiel gegen die Wespen spielte sich das Geschehen die ersten drei, vier Minuten fast nur im eigenen Kreis ab. Vor allem mit den harten Schlägen der Zehlendorfer kamen unsere Kinder gar nich zurecht. Irgendwann gelang es ihnen dann aber doch, hinten raus zu kommen. Und auf einmal stand es etwas überraschend 1:0 für uns. Im Nachhinein verdienten sich die blau-orangenen dies Führung auch mit weiteren ansehnlichen Aktionen und Spielzügen. Paradox: kurz vor Schluß gelang dann den Wespen urplötzlich noch der Ausgleich, am Ende verdient, auch wenn die Torfolge so gar nicht zum Spielvelauf passen wollte. Dann ging es gegen TuSLi und das Spiel begann mit einer tollen Chance von Anton, der mit einem schönen Schuß fast vom Kreisrand das Tor nur ganz knapp verfehlte. Dann war aber knapp 10 Minuten TuSLi-Time und unsere Jungs schauten sichtlich beeindruckt von Tempo und Zielstrebigkeit des Gegner zunehmend zu… wie der Ball ein ums andere Mal im eigenen Tor landete, bis es 0:4 stand. „Das ist dann doch des Guten zuviel“, dachte sich offensichtlich Jonas, zog los und erzielte das 1:4. In der Folge spielten dann wieder unsere Kinder und kamen auch noch zu einigen Chancen. Es blieb aber beim deutlichen 1:4. Gegen den BHC sollte es dann aber wieder besser laufen, das hatten sich die Jungs ganz klar vorgenommen. Und diese Entschlossenheit mündete dann auch bald in Linus tollem 1:0. Dann ging es, zum ersten Mal an diesem Spieltag, nicht phasenweise, sondern kontinuierlich hin und her, wobei die Rotationer in den entscheidenden Momenten nicht nur etwas glücklicher sondern dieses Mal oft auch den entscheidenden Tick wacher waren. In der Endphase konnten sie das Spiel dann auch deutlich dominieren. Drei ganz klare Chancen vermochten unsere jeweils zwei bis drei Stürmer alleine vor dem BHC-Keeper aber nicht zu verwerten. Das gelang erst in der Schlußsekunde mit einem kuriosen Schuß fast von der Grundlinie. Anton, David, Gustav, Jonas, Linus, Luca und Moritz hatten in den drei Matches wieder viel Spielwitz gezeigt und sich dabei, auch wenn sie anfangs gegen die Wespen und zwischenzeitlich gegen TuSLi offenkundig mit der Passhärte und den raumgreifenden Aktionen der Gegner etwas überfordert waren, gut an das schon etwas weiter entwickelte Feldspiel der Anderen angepasst.
Dass wir diesbezüglich aber zur Zeit noch ein ganzes Stückchen hinterher hinken, zeigte sich bei den Spielen der zweiten Knaben D-Mannschaft beim HC Argo. Hier kamen vorrangig die Jungs des jüngeren Jahrgangs zum Einsatz, von denen etliche im Training auch bereits ihr beachtliches Talent unter Beweis gestellt haben. Doch sie mussten ersteinmal die Erfahrung machen, die die Älteren schon aus dem letzten Jahr kennen: Erstmal schauten sie den anderen beim Jubeln zu. Gegen die Jungs vom Berliner SV 1892, die nach Einschätzung der betreuenden Väter Thomas und Martin durchaus auch schon auf dem Fortgeschrittenenniveau mitspielen können, gab es erstmal eine heftige 0:7! Abreibung. In den beiden folgenden Spielen kamen unsere Jungs dann aber besser zum Zuge, auch wenn es letztlich, „aufgrund von Kleinigeiten“, so die Coaches, zwei weitere, jetzt allerdings knappe Niederlagen für Amos, Bela, David, Jonah, Luis, Merlin, Oscar und Ruben zu verkraften gab.
Noch mehr Frustrationsbewältigungskompetenz war bei unseren Mädels gefragt. Die D-Mädchen hatten, ähnlich wie jetzt die 01er Jungs schon vor zwei Wochen ihren ersten Fortgeschrittenen-Spieltag bestritten und dort bereits überraschend gut abgeschnitten. Am Samstag waren einige von ihnen wieder zur Verstärkung der C-Mädchen im Einsatz. Das Rotation C-Mädchen-Debüt, bei dem vor allem unsere Älteren zum Einsatz kamen, die aber teilweise auch gerade erst mit dem Hockey begonnen haben, zeigte aber gleich, dass auch die talentiertesten und begeisterungsfähigsten Mädels keine Himmelsstürmerinnen sind. Es gab drei ganz deutliche Niederlagen, bei denen unsere Mädels „in allen Belangen“ unterlegen gewesen sein sollen. Da bleibt nur zu hoffen, dass sie ihre Begeisterung damit nicht verlieren und dass sie weiter mit genausoviel Leidenschaft wilde Spiele rund um und mit der weißen Kugel absolvieren, dann werden sie über kurz oder lang auch das schaffen, was ihnen bereits in der Halle gelungen ist, auf dem in ihrer Altersklasse maßgeblichen Niveau ankommen.

Welche Konsequenzen sind aber aus den Niederlagenserien der Kinder zu Beginn der Feldsaion für die Trainingskonzeption im Verein zu ziehen? Darüber, dass wir in fast allen Mannschaften so viele Kinder dabei haben, die Hockey gerade neu für sich entdeckt haben, können wir uns nur freuen und Spielmöglichkeiten wollen wir ihnen natürlich auch geben. Dass wir in Ermangelung einer eigenen Kunstrasenanlage weiter erst einige Wochen später raus gehen können werden als dass bei den großen Clubs im Süden möglich ist, wird sich, zumindest vorerst, leider auch nicht ändern lassen. Es bleiben also die Fragen, ob man die Kinder erst an den Spielen teilnehmen lässt, wenn sie schon etwas länger dabei und in ihrem Spiel sicherer sind und ob man vielleicht anfangs defensiver meldet, das heißt auch mit den vermeintlich schon spielstärkeren Kindern auch erstmal mehr auf dem Anfängerniveau spielt, um Erfolgserlebnisse zu sammeln. Meines Erachtens sind die ersten beiden Fragen zu verneinen. Denn den Kindern macht es erfahrungsgemäß immens großen Spaß, gemeinsam mit ihren Mannschafts- und Clubkameradinnen in den Rotationfarben auf den Plätzen der Stadt in den freundschaftlichen Wettstreit mit anderen Teams zu treten, das ist eines der essentiellen Gewürze in der Hockeyspeise. Und natürlich sind es gerade auch Ergebniserfolge, die die Kinder motivieren. Doch, und auch das ist eine wichtige Erfahrung für die kommenden Aufgaben, die Kinder sind alle durchaus in der Lage auch mit Niederlagen konstruktiv umzugehen. Wenn man ihnen hilft, diese richtig einzuordnen und wenn man sie motiviert, einfach weiter zu machen, dann bleibt der Spaß – und der spielerische Anreiz, sich auch mit den Besten zu messen, führt schnell dazu, dass sie sich, kanalisiert durch entsprechende Fragestellungen der Trainer und Betreuer, von den Besten auch das Beste abschauen und aneignen. Und dann ist es ja auch für die Kinder richtig toll, wenn sie irgendwann sehen, dass sie gegen diejenigen, gegen die sie vorher noch im Hintertreffen waren, dann schon richtig gut mithalten können.
Es bleibt aber noch die Frage, ob aber nicht die Trainingsphilosophie der Fokussierung auf eine breite allgemeinmotorische Ausbildung der Kinder, auf die Aneignung eines breiten technischen Repertoires, das in der „Stresssituation“ der Wettsspiele natürlich nur selten voll ausgeschöpft wird, und auf ein durch adäquate Vorgaben kanalisiertes im wesentlichen aber eigenständiges Erlernen von Techniken und taktischen Zusammenhängen durch die Kinder durch direktere, am schnellen Lernerfolg orientierte Vorgaben ersetzt bzw. ergänzt werden sollte, um derartige Negativerlebnisse zu mindern oder zumindest abzupuffern. Die Antwort sollte m.E. eine differenzierte sein: An der Orientierung des Kindertrainings am behutsamen, durch Spielspaß und selbständiges mitdenken ermöglichten nachhaltigen Lernens sollte festgehalten werden. Es beginnt sich bereits jetzt bei unseren noch ganz jungen Hockeykindern nicht nur in Hinblick auf ihre Begeisterung und Identifikation sondern sogar schon in Hinblick auf ihre sportliche Entwicklung zu bewähren und sollte unter keinen Umständen einem kurzfristigen Ergebnisdenken geopfert werden, das im Endeffekt auch bei den Kindern Blockaden aufbaut und immer wieder in Sackgassen führt.
Gerade die signifikante Unterlegenheit unserer Teams im Passspiel, insbesondere bei den Feldtechniken Schrubber und Schlag, und beim Torschussverhalten legt es aber Nahe, diese Inhalte neben der individuellen Ballbehandlung stärker mit in den Stockteil des Trainings aufzunehmen. Dasselbe gilt für das Torwartspiel, ohne dass wir jetzt deswegen bereits bei den D- und C-Kindern feste Torhüter installieren müssten. Wenn aber in jedem Training mit einem Keeper trainiert wird, der auch immer von einem Teil der Trainingsgruppe in Torschussübungen explizit gefordert wird, dann wird hier in Hinblick auf die schnellere Wettbewebsfähigkeit der Teams und die Erfolgserlebnisse der Kinder bereits einiges gewonnen werden. Dazu bedarf es neben der Bereitstellung der entsprechenden Ausrüstungen natürlich auch einer entsprechenden Kreativität von uns Trainern in der Gestaltung der gegebenen räumlichen und materialen Gegebenheiten.

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Veröffentlicht am 11. Mai 2009 um 10:42 Uhr

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